Heilpflanzen bei Erkältung: Anwendung und Risiken

Heilpflanzen bei Erkältung können Husten, einen gereizten Hals oder eine verstopfte Nase lindern. Sie ersetzen aber weder eine Diagnose noch eine nötige Behandlung. Wichtig sind die Pflanze, der genutzte Teil, die Form und die Dosis.

In diesem Ratgeber erfährst Du, welche Mittel aus Pflanzen seit Langem genutzt werden. Du liest auch, wo ihre Grenzen liegen und welche Risiken Du beachten solltest.

Heilpflanzen bei Erkältung: Was können sie leisten?

Eine Erkältung entsteht meistens durch Viren. Pflanzliche Mittel können einzelne Beschwerden lindern, beseitigen aber nicht die Ursache. Die allgemeine Aussage, eine Pflanze „stärke das Immunsystem“, ist wissenschaftlich zu ungenau. Bewerten lässt sich nur die Wirkung einer bestimmten Zubereitung für einen klaren Zweck.

Bei Arzneien aus Pflanzen gibt es durch Studien belegte und lange bekannte Arten der Nutzung. „Seit Langem genutzt“ heißt, dass ein Mittel schon viele Jahre für einen bestimmten Zweck dient. Das beweist aber nicht, dass jede Form der Pflanze gleich gut wirkt.

Erkältung oder Grippe: Achte auf die Beschwerden

Eine Erkältung entwickelt sich oft langsam. Typisch sind Schnupfen, Halskratzen und Husten. Eine Grippe beginnt dagegen meist plötzlich. Häufig treten starkes Krankheitsgefühl, Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen auf. Einzelne Beschwerden reichen aber nicht immer aus, um Infekte sicher zu unterscheiden.

Hole ärztlichen Rat ein bei Atemnot, Brustschmerzen, hohem oder anhaltendem Fieber, eitrigem Auswurf oder einer deutlichen Verschlechterung. Das gilt auch, wenn die Beschwerden länger als etwa eine Woche dauern. Bei Babys, während der Schwangerschaft, im hohen Alter und bei einer langen Krankheit ist besondere Vorsicht nötig.

Welche Heilpflanzen bei Erkältung infrage kommen

Nicht jede Pflanze passt zu jeder Beschwerde. Achte zuerst auf das wichtigste Symptom. Wähle danach ein amtlich geprüftes Mittel aus.

Thymian bei Husten mit Schleim

Thymiankraut wird traditionell bei Erkältungshusten mit Schleim genutzt. Die Europäische Arzneimittel-Agentur stützt diese Aussage vor allem auf die lange Nutzung. Nicht für jede Form ist die Wirkung durch Studien sicher belegt. Damit gehört Thymian zu den häufig verwendeten Heilkräutern bei Husten.

Nutze fertige Mittel nur nach Packungsbeilage. Manche Produkte eignen sich erst ab einem bestimmten Alter. Bist Du gegen Thymian, Salbei, Minze oder ähnliche Pflanzen allergisch, frage vorher in der Arztpraxis oder Apotheke nach.

Lindenblüten als Heilpflanzen bei Erkältung

Lindenblüten werden seit Langem für Tee bei Erkältung genutzt.

Eibisch bei trockenem Reizhusten

Stoffe aus der Eibischwurzel können gereizte Stellen wie ein Film schützen. Als pflanzliches Mittel bei Erkältung wird Eibisch seit Langem bei trockenem Husten sowie bei Reizungen in Mund und Rachen genutzt. Trinke genug und beachte die Dosis des Mittels.

Mittel mit diesen Stoffen können die Aufnahme anderer Arzneien bremsen. Halte daher den im Beipackzettel genannten Abstand ein oder frage in der Apotheke nach.

Salbei bei gereiztem Hals

Salbeiblätter werden seit Langem bei leichten Reizungen in Mund und Rachen genutzt. Dazu zählen zum Beispiel Mittel zum Gurgeln oder klar beschriftete fertige Mittel. Bei Erkältung kommt Salbei vor allem für Mund und Rachen zum Einsatz. Unverdünntes Salbeiöl ist dafür nicht geeignet. Ätherische Öle sind stark konzentriert und dürfen nicht mit einem Kräutertee gleichgesetzt werden.

Salbeiblätter für eine pflanzliche Zubereitung

Salbei wird seit Langem bei leichten Beschwerden in Mund und Rachen genutzt.

Primelwurzel als traditionelles Hustenmittel

Primelwurzel zählt zu den Heilkräutern bei Husten mit Schleim. Dabei kommen Mittel mit einer klaren Form und Dosis zum Einsatz. Sammle Schlüsselblumen nicht in der Natur, denn mehrere Arten stehen unter Schutz. Wenn Du Primeln im Garten anbaust, musst Du die Pflanze außerdem zweifelsfrei bestimmen.

Echinacea ohne pauschales Heilversprechen

Mittel aus Sonnenhut werden oft zur Vorbeugung oder Behandlung von Erkältungen angeboten. Presssäfte, Extrakte, Wurzeln und die Teile über der Erde unterscheiden sich jedoch stark. Ergebnisse aus Studien gelten deshalb nicht für jedes Produkt mit Echinacea.

Bist Du gegen Korbblütler allergisch oder ist Deine Abwehr krank, nutze Echinacea nur nach fachlichem Rat. Das gilt auch, wenn Du Mittel für die Abwehr einnimmst. Beachte zudem das erlaubte Alter und die Dauer der Nutzung.

Ingwer, Holunder und Lindenblüten

Ein warmer Tee kann angenehm sein und liefert Flüssigkeit. Ingwer, Holunderblüten und Lindenblüten werden deshalb als pflanzliche Mittel bei Erkältung gern genutzt. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie eine Erkältung verhindern, Fieber sicher senken oder den Infekt heilen.

Rohe Holunderbeeren, Blätter und andere Teile der Pflanze eignen sich nicht für selbst gemachte Mittel gegen Erkältung. Nutze nur sichere Zutaten sowie klar beschriftete Arzneien oder Tees.

Tee, Extrakt oder Arzneimittel: Wo liegt der Unterschied?

Ein Kräutertee bei Erkältung aus dem Handel ist etwas anderes als ein stets gleich hergestellter Auszug oder eine geprüfte Arznei aus Pflanzen. Die Mittel können verschieden viel von den wirksamen Stoffen enthalten. Auch Qualität, Dosis und Dauer der Nutzung sind nicht gleich.

Achte bei pflanzlichen Mitteln deshalb auf folgende Angaben:

  • den deutschen und lateinischen Namen der Pflanze,
  • den genutzten Teil der Pflanze,
  • die Form und Dosis,
  • den Zweck der Nutzung,
  • das erlaubte Alter, Gründe gegen die Nutzung und die Dauer,
  • die amtliche Zulassung.

Eine Teemischung mit vielen Zutaten wirkt nicht automatisch besser. Mit jeder weiteren Pflanze steigt zugleich das Risiko, etwas nicht zu vertragen.

Heilpflanzen bei Erkältung sicher anwenden

Auch pflanzliche Erkältungsmittel können unerwünschte Wirkungen haben und andere Arzneien beeinflussen. Sei besonders vorsichtig, wenn Du Mittel zur Blutverdünnung, für den Blutdruck oder zur Entwässerung nimmst. Das gilt ebenso für Kortison und Mittel, die die körpereigene Abwehr beeinflussen.

Süßholzwurzel ist ein wichtiges Beispiel: Große Mengen oder eine lange Einnahme können den Blutdruck erhöhen, Wasser im Körper einlagern und den Kaliumwert verändern. Bei hohem Blutdruck sowie bei Krankheiten von Herz, Leber oder Nieren solltest Du sie nur nach fachlichem Rat nutzen.

Halte Dich außerdem an diese Grundregeln:

  • Verändere oder ersetze verordnete Medikamente niemals ohne ärztliche Rücksprache.
  • Beachte den Beipackzettel und überschreite weder die Dosis noch die erlaubte Dauer.
  • Frage bei Schwangerschaft, beim Stillen, bei einer langen Krankheit oder vor der Gabe an Kinder in der Arztpraxis oder Apotheke nach.
  • Setze ätherische Öle niemals unverdünnt innerlich ein.
  • Brich die Nutzung bei Ausschlag, Schwellungen oder anderen Zeichen einer Allergie ab.

Heilkräuter aus dem eigenen Garten

Du kannst beispielsweise Thymian oder Salbei im Garten anbauen. Verwende eine Pflanze jedoch nur, wenn Du sie sicher bestimmt hast und weißt, welcher Pflanzenteil geeignet ist. Standorte an stark befahrenen Straßen, mit Pflanzenschutzmitteln behandelte Flächen und sichtbar verschmutzte Pflanzen sind für die Ernte ungeeignet.

Mehr Hinweise zum Anbau findest Du im Beitrag Heilkräuter im eigenen Garten. Kräuter aus dem Garten ersetzen keine geprüfte Arznei, wenn eine genaue Dosis nötig ist.

Häufige Fragen zu Heilpflanzen bei Erkältung

Können Heilpflanzen eine Erkältung heilen?

Eine Heilung lässt sich nicht versprechen. Manche Arzneien aus Pflanzen können einzelne Beschwerden lindern. Was sinnvoll ist, hängt aber vom Symptom, vom Mittel und von Deiner Gesundheit ab.

Welche Heilpflanze hilft bei Husten?

Bei Husten mit Schleim werden seit Langem unter anderem Thymian und Primel genutzt. Trockener Reizhusten kann zum Beispiel mit Eibisch gelindert werden. Hält der Husten an, ist er stark oder unklar, ist ärztlicher Rat wichtiger als eine eigene Behandlung.

Sind pflanzliche Mittel für Kinder geeignet?

Nicht automatisch. Das erlaubte Alter hängt von der Pflanze und der Form ab. Ätherische Öle können für kleine Kinder ungeeignet oder gefährlich sein. Nutze daher nur Mittel, die zum Alter passen, und hole vorher fachlichen Rat ein.

Kann ich mehrere Heilpflanzen kombinieren?

Eine Mischung kann sinnvoll sein, wenn sie als geprüftes Mittel für den Zweck angeboten wird. Selbst gemischte Tees machen es dagegen schwer, Dosis, Wirkung und Risiken sicher zu beurteilen.

Fazit: Pflanzliche Hilfe mit realistischen Erwartungen

Heilpflanzen bei Erkältung können ausgewählte Beschwerden begleiten. Sie sind aber nicht immer harmlos und kein Ersatz für eine nötige Behandlung. Wähle ein passendes Mittel, lies den Beipackzettel und achte auf Folgen mit anderen Arzneien. Wenn die Beschwerden ungewöhnlich stark sind, länger anhalten oder sich verschlimmern, hole ärztlichen Rat ein.

Weiterführende Quellen

Hinweis: Dieser Artikel informiert allgemein und ersetzt keinen ärztlichen Rat für Deine Lage.

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